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Onboarding – der erste Arbeitstag ist zu spät

Warum Preboarding und Onboarding darüber entscheiden können, ob neue Mitarbeitende bleiben. Die ersten Wochen eines neuen Arbeitsverhältnisses sind entscheidend. Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil neuer Mitarbeitender bereits sehr früh wieder ausscheidet: Gallup berichtet, dass etwa ein Drittel der Neueintritte nicht länger als 90 Tage im Unternehmen bleibt. Eine von SHRM aufgegriffene Untersuchung kommt zudem zum Ergebnis, dass nahezu ein Drittel der Neueintritte innerhalb der ersten sechs Monate kündigt.

Das bedeutet nicht, dass jede frühe Kündigung auf schlechtes Onboarding zurückzuführen ist. Aber es zeigt, wie wichtig die erste Phase eines Arbeitsverhältnisses ist. Und genau deshalb beginnt gutes Onboarding nicht am ersten Arbeitstag.

Es beginnt vorher.

Preboarding: Die Zeit zwischen Zusage und Start

Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben. Die Freude ist gross. Doch dann vergehen vielleicht noch zwei, vier oder sechs Wochen bis zum ersten Arbeitstag.

Was passiert in dieser Zeit? Genau hier setzt Preboarding an.

SHRM versteht darunter Aktivitäten, die bereits nach der Vertragszusage und vor dem offiziellen Start stattfinden können – beispielsweise Informationen zum Unternehmen, ein erster Kontakt mit dem Team oder die Verbindung mit einem Buddy.

Denn für neue Mitarbeitende beginnt jetzt eine Phase voller Fragen:

  • Was erwartet mich?
  • Wer wird mein Team sein?
  • Wie sieht mein erster Tag aus?
  • Was wird von mir erwartet?
  • Habe ich die richtige Entscheidung getroffen?

Ein professionelles Preboarding nimmt diese Unsicherheit auf und macht aus der Wartezeit eine erste positive Erfahrung. Eine Willkommensnachricht vom zukünftigen Vorgesetzten. Informationen zum ersten Arbeitstag. Ein vorbereiteter Arbeitsplatz. Ein erster Kontakt mit dem Team. Kleine Signale können eine grosse Wirkung haben.

Dann kommt der erste Tag. Laptop bereit. Zugangsdaten funktionieren. Das Team weiss Bescheid. Der Vorgesetzte nimmt sich Zeit. Die ersten Aufgaben sind klar.

Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht immer. Onboarding wird noch häufig mit administrativer Einführung gleichgesetzt: Formulare ausfüllen, Prozesse erklären, Systeme einrichten. Doch Onboarding ist weit mehr als Orientierung. Es geht darum, neue Mitarbeitende Schritt für Schritt in ihre Rolle, ihr Team und die Unternehmenskultur zu integrieren. SHRM beschreibt Onboarding deshalb als einen umfassenden Prozess, der deutlich über den ersten Arbeitstag hinausgeht und sich über die ersten Monate erstrecken kann.

Die entscheidenden Fragen lauten: Was wird von mir erwartet? Wie kann ich erfolgreich sein? Wie funktioniert dieses Unternehmen wirklich? Und vor allem: Bin ich hier richtig?

Warum Mitarbeitende früh wieder gehen Eine frühe Kündigung hat selten nur einen einzigen Grund. Erwartungen können nicht erfüllt werden. Die tatsächliche Rolle entspricht nicht dem Bild aus dem Recruiting. Die Führungskraft ist anders als erwartet. Die Unternehmenskultur passt nicht. Oder es fehlt schlicht an Orientierung und Unterstützung. Eine SHRM-Auswertung einer Korn-Ferry-Untersuchung zeigt beispielsweise, dass nicht erfüllte Erwartungen an die Stelle ein wichtiger Faktor bei frühem Ausscheiden sind. Genannt werden unter anderem Unternehmenskultur, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten und die Beziehung zur Führungskraft.

Das macht eines deutlich: Onboarding kann keine falsche Stellenentscheidung korrigieren. Aber ein gutes Onboarding kann entscheidend dazu beitragen, dass Erwartungen, Rolle, Führung und Unternehmenskultur früh zusammenfinden. Der erste Eindruck beginnt vor dem ersten Tag. Vielleicht liegt genau hier die grösste Chance.

Unternehmen investieren viel Energie in Recruiting. Sie suchen Talente, führen Gespräche, überzeugen Kandidatinnen und Kandidaten und freuen sich über die Vertragsunterschrift. Doch danach darf die Beziehung nicht pausieren. Zwischen „Wir freuen uns, dass Sie zu uns kommen“ und „Herzlich willkommen am ersten Tag“ liegt eine wichtige Zeit.

Diese Zeit kann überlassen werden. Oder gestaltet werden.

Preboarding + Onboarding = ein starker Start. Ein professioneller Einstieg bedeutet deshalb:

  • Vorbereiten statt warten.
  • Orientieren statt überfordern.
  • Verbinden statt nur informieren.
  • Begleiten statt nach dem ersten Tag loslassen.

Und genau darin liegt der strategische Wert von Preboarding und Onboarding. Denn erfolgreiche Integration entsteht nicht an einem einzigen Tag. Sie entsteht durch viele kleine, gut geplante Erfahrungen.

Der erste Arbeitstag ist nicht der Startpunkt. Er ist der nächste Schritt einer Reise, die bereits mit der Vertragsunterschrift beginnt. Und vielleicht sollten Unternehmen deshalb nicht nur fragen:

„Wie sieht unser erster Arbeitstag aus?“

Sondern:

„Was erlebt ein neuer Mitarbeitender ab dem Moment, in dem er Ja zu uns sagt?“

Denn genau dort beginnt modernes Onboarding.